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Dramaturgische Prozessbegleitung

Ich begleite Film- und Serienprojekte dramaturgisch und inhaltlich über mehrere Entwicklungsphasen hinweg.

Im Zentrum meiner Arbeit steht die Frage, wie Vielfalt, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Verantwortung von Beginn an in die Entwicklung eines Stoffs einbezogen werden können – nicht additiv, sondern als integraler Bestandteil von Dramaturgie, Figuren und Narrativen.

Dramaturgische Prozessbegleitung mit dem Schwerpunkt Diversität bedeutet für mich, die für ein konkretes Projekt relevanten Dimensionen von Vielfalt frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam mit dem kreativen Team weiterzuentwickeln. Ziel ist es, dass diese Aspekte organisch aus dem Stoff heraus entstehen und nicht erst nachträglich korrigiert werden müssen.

Warum frühe Einbindung entscheidend ist

Grundsätzlich ist ein Einstieg in die Prozessbegleitung in jeder Phase eines Projekts möglich – besonders produktiv ist er jedoch früh im Entwicklungsprozess.
Ein sinnvoller Zeitpunkt ist häufig dann, wenn erste schriftliche oder visuelle Konzepte vorliegen, etwa in Form eines Exposés, einer Synopse oder eines Staffelkonzepts.

In dieser Phase lassen sich dramaturgische Weichenstellungen erkennen, die den weiteren Verlauf maßgeblich prägen: Figurenkonstellationen, Perspektiven, Konfliktlinien und narrative Schwerpunkte. Hier können Herausforderungen eines spezifischen Stoffs identifiziert und klare Schwerpunkte für die weitere Arbeit gesetzt werden.

Der qualitative Unterschied zwischen später Beratung und gemeinsamer Entwicklung ist erheblich.
Während ein später Einstieg oft nur noch oberflächliche Anpassungen ermöglicht, lassen sich grundlegende dramaturgische Fragen früh deutlich besser bearbeiten. Gerade bei sensiblen Themen – etwa der Darstellung sexualisierter oder geschlechtsspezifischer Gewalt – geht es um strukturelle Erzählentscheidungen, nicht um einzelne Motive oder Formulierungen. Diese Komplexität lässt sich nicht nachträglich „einpflegen“, ohne dass sie aufgesetzt oder vorgeschoben wirkt. Zugleich entstehen in der frühen Zusammenarbeit häufig neue kreative Impulse: alternative Figurenentwicklungen, andere Gewichtungen von Handlungselementen oder narrative Lösungen, auf die man ohne diesen Austausch nicht gekommen wäre.

Zusammenarbeit im kreativen Kern

Ich verstehe mich als Teil des kreativen Prozesses – nicht als externe Kontrollinstanz.

Meine Arbeit setzt dort an, wo Stoffe entstehen und Entscheidungen getroffen werden. Ich arbeite dialogisch, analytisch und kreativ mitdenkend – immer im Austausch mit Autor:innen, Regie und Produktion.

Statt mit vorgefertigten Konzepten zu arbeiten, gehe ich von den Zielen, Intentionen und dem Selbstverständnis des jeweiligen Teams aus. Diversität wird dabei aus dem eigenen Anspruch des Projekts heraus entwickelt; die Verantwortung für inhaltliche Entscheidungen bleibt klar bei den Filmschaffenden.

In der Zusammenarbeit übernehme ich unterschiedliche Rollen – je nach Situation und Bedarf.
Ich analysiere dramaturgische Strukturen und Wirkungen, spiegele, welche Botschaften ein Stoff in seiner aktuellen Form transportiert, und bringe fachlichen Kontext aus Diversitäts- und Diskursdebatten ein. Gleichzeitig arbeite ich kreativ an Lösungen mit und moderiere Gespräche zwischen unterschiedlichen Perspektiven, Gewerken und Interessen.

Gerade bei sensiblen Stoffen schätzen viele Teams die Kombination aus fachlicher Klarheit und einer zugewandten, respektvollen Arbeitsweise. Für manche Filmschaffende – insbesondere mit eigenen Gewalterfahrungen – kann eine kontinuierliche Begleitung zudem Sicherheit und Entlastung im Prozess schaffen.

Was Teil einer dramaturgischen Prozessbegleitung sein kann

Der konkrete Umfang der Zusammenarbeit richtet sich nach Projekt, Phase und Bedarf.

Typische Elemente einer Prozessbegleitung können sein:

  • Sensitivity Readings von Exposés, Synopsen oder Drehbüchern
  • schriftliche Auswertungen und vertiefende Beratungsgespräche
  • dramaturgische Arbeit an Figuren, Perspektiven und Narrativen
  • Workshops zu spezifischen Themen oder mit einzelnen Gewerken
  • kontinuierliche Begleitung über mehrere Entwicklungsstufen hinweg

Sensitivity Readings sind ein zentraler Bestandteil meiner dramaturgischen Arbeit und können auch als eigenständige Leistung gebucht werden. Ausführliche Informationen dazu finden sich auf der entsprechenden Unterseite.

Verantwortung, Rahmen und Grenzen

Ich berate – ich entscheide nicht.

Die künstlerische und inhaltliche Verantwortung liegt bei den Filmschaffenden. Diese klare Rollenverteilung verstehe ich als Voraussetzung für eine respektvolle Zusammenarbeit und für die Wahrung künstlerischer Freiheit.

Gute Arbeit erfordert aus meiner Sicht transparente Entscheidungswege, klare Absprachen und realistische zeitliche Rahmenbedingungen. Idealerweise bin ich mit allen relevanten Parteien im Austausch, um Dynamiken, Zuständigkeiten und Zielsetzungen nachvollziehen zu können. Es gibt klare Grenzen meiner Arbeit.
Ich übernehme keine Intimacy-Koordination und keine Beratungsfunktion bei sexualisierter Gewalt im Team. Für spezifische Fragestellungen verweise ich gegebenenfalls an entsprechend qualifizierte Kolleg:innen. Ebenso verstehe ich meine Rolle nicht als Grundlagenvermittlung oder Überzeugungsarbeit – die Bereitschaft, Diversität als Teil kreativer Praxis mitzudenken, setze ich voraus.

Für welche Projekte diese Arbeit besonders sinnvoll ist

Dramaturgische Prozessbegleitung eignet sich insbesondere für Film- und Serienprojekte in Entwicklung,
für Stoffe mit sensiblen Themen und für Teams, die Austausch, Reflexion und inhaltliche Auseinandersetzung als Teil kreativer Arbeit begreifen – im Nachwuchs ebenso wie in etablierten Produktionskontexten.